Beziehungspause: Wie geht es jetzt weiter?

Manche Menschen betrachten eine Beziehungspause als Chance, eine Beziehung in Schieflage zu retten. Für andere ist sie nichts weiter als eine hinausgezögerte Trennung. Ganz unabhängig von der persönlichen Einstellung hängt der Erfolg oder Misserfolg einer Beziehungspause jedoch viel mehr davon ab, was das Paar aus ihr macht. Wird sie wirklich zum Überdenken der Beziehung genutzt oder ist sie eher eine willkommene Auszeit vom lästig gewordenen Partner, ohne dass gedankliche Arbeit passiert? Haben beide dasselbe Ziel oder traut sich einer von beiden nur nicht, die Trennung auszusprechen?

Beziehungspause – warum eigentlich?

Ob du dich auf eine Beziehungspause einlässt, ist eine sehr individuelle Entscheidung. Es gibt Menschen, die aus verständlichen Gründen dagegen sind und nicht glauben, dass die Beziehungspause Erfolg verspricht. Andere wiederum stellen fest, dass sie zwar grundsätzlich so denken, aber der Beziehung doch die Chance geben wollen. Wieder andere halten die Beziehungspause für eine gute Gelegenheit, in Ruhe darüber nachzudenken, was sie wollen und mit wem sie es wollen. Das ist auch der einzige Beweggrund, aus dem eine zielführende Beziehungspause wirklich eingelegt werden darf und soll. Sie soll beiden Partnern den nötigen Abstand zur Situation ermöglichen, den sie brauchen, um klar zu sehen, ob sie weitermachen wollen – und wenn ja, mit welchen Veränderungen.

Beziehungspause? Nur mit Regeln!

Eine Beziehungspause ist keine Trennung. Sie funktioniert also nur mit Regeln und vorheriger Absprache, denn andernfalls ist Frust vorprogrammiert. Dabei sollten folgende Fragen thematisiert werden:

  • Wie lange dauert die Beziehungspause?
  • Wer nimmt danach Kontakt zu wem auf?
  • Sind wir nach der Beziehungspause wieder zusammen oder treffen wir uns zunächst nur zum Gespräch?
  • Wie soll der Kontakt während der Beziehungspause aussehen?
  • Ist flirten mit anderen erlaubt?
  • Sind Dates erlaubt? Wie weit dürfen sie gehen?

Wenn ihr bereits zusammen wohnt, arbeitet oder ein enges gemeinsames Umfeld habt, solltet ihr auch darüber sprechen. Auch muss geklärt sein, ob ihr überhaupt etwas über eure Beziehungspause sagt und wem ihr was erzählt. Jede Art von Vereinbarung ist in Ordnung, solange sich keiner der beiden Partner unfair behandelt fühlt oder mit der Situation nicht ganz einverstanden ist. Wichtig ist aber, dass die Regeln für die Beziehungspause klar festgehalten und dann auch eingehalten werden.

Beziehungspausen sind zum Nachdenken da

Es tut sicherlich gut, sich während einer Beziehungspause um sich selbst zu kümmern und auch einmal nicht an den Partner zu denken. Dennoch wird die Pause eingelegt, um den Zustand der Beziehung zu reflektieren und sich darüber klar zu werden, was sich ändern müsste, damit es wieder besser läuft. Das Ergebnis kann natürlich auch lauten, dass gar nichts mehr helfen würde und die Beziehung einfach vorbei ist. Die räumliche Distanz ermöglicht den notwendigen Abstand zur Situation. Dazu solltest du sie auch hauptsächlich nutzen. Versuche nicht, mögliche negative Gefühle durch nächtelange Partys zu überspielen, sondern setze dich mit ihnen auseinander. Vermisst du die Beziehung? Was genau vermisst du und was nicht? Was müsste dein Partner verändern, was musst du tun? Möchtest du das überhaupt oder zieht es dich eben doch auf die Partys und wieder zurück ins Single-Leben?

Kontakt während der Pause – ja oder nein?

Manchmal geht eine Beziehungspause nicht ohne Kontakt. Wenn ihr gemeinsame Kinder habt, schon seit Monaten auf die Hochzeit deiner Schwester eingeladen seid oder beruflich miteinander zu tun habt, dann werdet ihr einander zwangsläufig über den Weg laufen. Am besten für die Pause wäre natürlich, wenn ihr weitestgehend auf Kontakt zum anderen verzichten könnt. Dadurch kann sich herauskristallisieren, ob ihr einander überhaupt vermisst. Ihr könnt euch aber auch darauf einigen, am Abend kurz miteinander zu telefonieren und euch gegenseitig über euren Alltag auf dem Laufenden zu halten. Genauso könnt ihr euch darauf einigen, euch während der Beziehungspause einmal zwischendurch zu treffen und zwischenzeitlich gar keinen Kontakt zu haben. Wenn ihr euch seht oder anderweitig Kontakt aufnehmt, dann sprecht aber vorher ab, wozu ihr das macht. Andernfalls besteht die Gefahr, dass einer den anderen unter Druck setzt, die Beziehungspause früher zu beenden.

Wie lange darf eine Beziehungspause dauern?

Auf unbestimmte Zeit schließt man keine Beziehungspausen. Auch ist es einander gegenüber unfair, sich mehrere Wochen nicht mehr zu sehen. Wer das will, übersieht das deutliche Signal, dass die Beziehung schon längst vorbei ist. Nehmt euch einige Tage oder eine Woche als Auszeit voneinander. Wenn es eineinhalb oder zwei Wochen werden, ist das auch in Ordnung, sofern ihr beide einverstanden seid. Wesentlich länger solltet ihr euch aber nicht Zeit lassen, denn wenn die Beziehung sowieso schon auf der Kippe steht, kann das die Distanz zwischen euch riesengroß werden lassen.

Das Gespräch nach der Beziehungspause

Apropos Dauer der Pause – was passiert, wenn der letzte Tag endlich überstanden ist? Spätestens jetzt sollte dir und deinem Partner klar geworden sein, was ihr wollt und was nicht. Vereinbart am besten zeitnah ein Gespräch miteinander, am besten auf neutralem Boden. Ihr könnt euch beispielsweise in einem Café treffen oder draußen miteinander spazieren gehen.

Die wichtigste Frage muss zuerst geklärt werden – geht die Beziehung weiter oder kommt es zur Trennung? Hast du festgestellt, dass dir ohne die Beziehung nichts fehlt? Dass es dir sogar besser geht, du wieder Lust aufs Leben und keine Lust aufs Nachdenken hast? Oder glaubst du nicht daran, dass dein Partner die Veränderungen mitmacht, die du brauchst, um dich wieder wohl zu fühlen? Dann ist der Fall klar. Andernfalls solltest du zu diesem Gespräch eine Liste mitbringen, was du nicht mehr möchtest und was sich ändern muss. Sei aber auch bereit für die Liste des Partners, denn eine Beziehung kann sich nur bessern, wenn beide daran mitarbeiten. Danach könnt ihr euch ruhig noch Zeit nehmen, um darüber nachzudenken, ob ihr es unter diesen Voraussetzungen wirklich miteinander versuchen wollt.

Was, wenn nur einer weitermachen will?

Oft enden Beziehungspausen natürlich so, dass einer den anderen schrecklich vermisst hat und der, der die Pause vorgeschlagen hat, sich nun endgültig trennen will. In diesem Fall bringt es nichts, den Partner noch überreden zu wollen. Vielleicht war die Pause eine vorgezogene Trennung, vielleicht wurde dem anderen aber auch durch die Distanz erst klar, dass es vorbei ist.

Was, wenn die Beziehung weitergeht?

Die Beziehungspause an sich kann eine Beziehung nicht wieder zum Laufen bringen. Zunächst wird es so weitergehen, wie es vor der Beziehung aufgehört hat. Der Unterschied? Ihr wisst jetzt beide, was ihr verändern müsst. Das dürfen keine leeren Worte bleiben, denn andernfalls kommt es vielleicht nicht jetzt, aber ganz sicher bald zur Trennung. Jeder muss an sich arbeiten und versuchen, die Kritikpunkte des Partners umzusetzen. Nur dann ist die Beziehungspause wirklich eine Chance zur Verbesserung.