Verlustangst überwinden: So geht es dir besser!

Die Angst, den Partner wieder verlieren zu können, ist nicht ganz an den Haaren herbeigezogen. Die Zeiten, in denen eine Ehe für immer geschlossen wurde, sind längst vorbei – und selbst, als Trennungs- und Scheidungsraten noch nicht so hoch waren wie heute, wurden etliche Beziehungen ohne Liebe und Treue geführt, was auch nicht gerade besser war. Die Verlustangst ist so alt wie die Menschheit selbst und stammt aus einer Zeit, in der es für den gesellschaftlichen Status und das nackte Überleben wirklich noch wichtig war, den Partner zu halten. Heute ist sie so betrachtet überholt und unnötig, aber das allein lässt sie nicht verschwinden. Wie kannst du also dafür sorgen, dass die Verlustangst nicht zum Grund wird, wirklich verlassen zu werden?

Warum leiden wir unter Verlustangst?

In unserer heutigen Gesellschaft wäre eine Trennung an sich überhaupt nicht schlimm. Die wenigsten Menschen sind wirklich von ihrem Partner abhängig und würden in eine existenzielle Krise rutschen, wenn sie sich trennen. Selbst, wenn es so erscheint, sieht die Realität nach einer Trennung oft rosiger aus als gedacht. In der Steinzeit aber war das noch anders. Hier bildeten sich Beziehungen nicht nur, weil zwei Menschen sich verliebten, sondern weil sie einander zum Überleben brauchten. Sie sicherten gegenseitig den sozialen Status in ihrer kleinen Gemeinschaft, er ging jagen, sie ging sammeln und kümmerte sich um den Nachwuchs. Verließ er sie oder entschied sie sich für ein männlicheres Exemplar, blieb einer übrig – am Rande der Gesellschaft stehend. In der Steinzeit war Verlustangst daher ein echter Überlebensmechanismus. Heute hingegen schadet er der Liebe mehr, als dass er ihr nützt.

Klammern? Bloß nicht!

Verlustangst erleben wir oft deswegen, da einer oder beide Partner die Beziehung gerade in Frage stellen und sich ihrer nicht mehr sicher sind. Das lässt verständlicherweise die Alarmglocken klingeln. Intuitiv klammerst du dich jetzt an den Partner, unternimmst mehr mit ihm, willst mehr Zeit als Paar verbringen, mehr reden, mehr… ja, mehr von allem. Das Ergebnis ist, dass sich der Partner nur unter Druck gesetzt fühlt und noch mehr auf Distanz geht, denn gerade das kann er jetzt nicht gebrauchen. Weniger intuitiv, aber effektiver ist es, jetzt auf Abstand zu gehen, auch wenn es sich falsch und schlecht anfühlt. Dadurch werden nämlich die Verlustängste des Partners aktiviert und er merkt, dass er gar nicht alles mit dir machen kann, sondern dass auch dein Weggang eine reelle Möglichkeit ist.

Verlustangst aus Mangel an Selbstwertgefühl

Das gute, alte Selbstwertgefühl spielt in so vielen Fragen nach der Ursache unserer Verhaltensweisen eine Rolle. Wen wundert es: Natürlich hängt es auch mit der Verlustangst zusammen. Du bist froh, deinen Partner überhaupt abbekommen zu haben, denn deiner Meinung nach spielt ihr in einer ganz anderen Liga und er weiß gar nicht, wie toll er eigentlich ist. Denkst du tief in dir drin, dass du ihn oder sie in Wahrheit gar nicht verdient hast und dass das alles ein großer Fehler im System sein muss? Das ist mangelndes Selbstwertgefühl und wenn der Partner irgendwann eine Phase hat, in der er mehr Zeit für sich und Abstand von der Beziehung braucht, werden deine Verlustängste aus diesen Gedanken heraus Alarm schlagen. Arbeite an deinem Selbstwertgefühl und auch die Verlustangst wird sich bessern.

Schlechte Erfahrungen müssen sich nicht wiederholen

Jeder von uns wurde schon einmal verlassen oder wird das noch einige Male im Leben erleben. Schön ist es nie, aber jede Trennung der Geschichte wurde irgendwann überwunden – so schmerzhaft sie auch war. Besonders dann, wenn die Trennung sehr unschön oder verletzend verlaufen ist und unser Partner uns vielleicht sogar unerwartet verlassen hat, haben wir noch lange daran zu knabbern. Das ist normal, bedeutet aber nicht, dass jeder künftige Partner dasselbe tun wird. Ja, auch diese Beziehung kann enden, aber wir wachsen an unseren seelischen Verletzungen und lernen aus Erfahrungen. Die Fehler der Beziehung, die dir so wehgetan hat, machst du nicht nochmal, denn du hast dich weiterentwickelt und auch deinen neuen Partner so ausgesucht, dass er nicht die gleichen Fehler mitbringt wie dein Ex-Partner. Warum also befürchtest du, realistischerweise verlassen werden zu können?

Akzeptiere die Verlassensangst

Sich selbst zu erklären, dass eine Angst unnötig ist und man es überleben wird, auch wenn der gefürchtete Fall eintritt, kann helfen. Mindestens genauso wichtig ist aber, dass du dich nicht in die Opferrolle begibst. Akzeptiere, dass die Verlassensangst gerade ein Thema für dich ist. Andernfalls reißt sie dich mit und du hast wirklich keinen Einfluss mehr darauf, was sie mit dir macht. Sprich aus, dass du Angst hast, verlassen zu werden. Jetzt hast du zugelassen, dass die Angst da ist, sie ist reell – und von hier aus kannst du anfangen, wirklich aktiv mit ihr zu arbeiten, denn du verdrängst sie nicht mehr an einen Ort, an dem du nicht mehr an sie herankommst.

Das Leben außerhalb der Beziehung

Wie steht es eigentlich um deine Hobbys, Freundschaften und den Kontakt zu deiner Familie, seitdem du in deiner jetzigen Beziehung bist? Wie viel Zeit verbringst du noch für dich alleine? Ein Partner, der eine sehr große Rolle in deinem Leben spielt, weckt verständlicherweise Verlustängste, wenn es einmal nicht mehr ganz rosig um euch steht. Denn wenn er wegfällt, was bleibt dir dann noch?

Wenn du ohnehin schon unter Verlustängsten leidest, wäre es sinnvoll, dir ein Leben außerhalb der Beziehung aufzubauen, alte Freunde zu treffen, Hobbys wieder neu aufzunehmen oder neue Interessen zu entdecken. Wenn dein Partner gerne mitmachen will – warum nicht? Wenn nicht, ist das natürlich auch in Ordnung. Dadurch schaffst du es ganz nebenbei, dich von den Verlustängsten abzulenken, die ansonsten durch deine Gedanken schwirren.

Zudem wird dein Partner bemerken, dass sich etwas verändert und du nicht mehr auf Abruf bereit stehst, wenn er etwas mit dir unternehmen will. Du machst dich rar und somit wirkst du schon gleich viel interessanter, denn dich bekommt man nicht einfach so, ohne sich zu bemühen. Ein Partner, der bisher nicht allzu viel Zeit und Energie in die Beziehung gesteckt hat, wird merken, dass er nicht mehr alles auf dem Silbertablett serviert bekommt und sich durchaus auch einmal aktiver um die Beziehung bemühen kann.